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Facts and Fake im Rokoko

Der Stand der Ermittlungen

Vor Zeiten gab es (wir erinnern uns) kein Instagramm, kein Youtube, noch nicht mal die tagesschau. Das heißt, alle mussten sich sehr genau merken, was vorgefallen war, und sich später noch dran erinnern. Was Mozarts Ableben betrifft, sind allerdings die Erinnerungen spärlich und teilweise widersprüchlich.

Was wir wissen

Wolfgang Amadeus Mozart starb am Montag, dem 5. Dezember 1791, gegen ein Uhr früh in seiner Wohnung im ersten Stock seines Wohnhauses in der Wiener Rauhensteingasse 970.

Er wurde am 6. Dezember bei der über dem Abgang zu den Katakomben errichteten Kruzifixkapelle am Stephansdom aufgebahrt, wo seine Freunde und Verwandten Abschied nahmen.

Im Totenschaubuch ist als Todesursache ein »hitziges Frieselfieber« festgehalten, was eigentlich nur einen fiebrigen Hautausschlag bezeichnet.

Laut der Sternwarte in Wien, die Wetteraufzeichnungen durchführte, war das Wetter mild und trocken. Das heißt aber noch nicht, dass die Wege schnee- und eisfrei waren.

Es ist nicht bekannt, ob Mozart am 6. Dezember 1791 abends oder am 7. Dezember 1791 frühmorgens zum Sankt Marxer Friedhof gebracht wurde. Einer damals gültigen Sanitätsverordnung zufolge wäre eine Beerdigung erst ab dem 7. Dezember erlaubt gewesen.

Mozart wurde in ein »allgemeines einfaches Grab« gebettet. Das Grab Mozarts wurde nicht (z.B. durch einen Grabstein) gekennzeichnet.

Worüber man spekuliert

»Der  Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.« Das sollen Mozarts letzte Worte gewesen sein. Nun wissen wir, wie das schon mit Zitaten lebender Personen aussieht, um wie viel mehr müssen wir an die Worte Verstorbener mehrere Fragezeichen setzen.

Mozart sei verarmt gestorben und :

Falsch ist, dass er völlig mittellos starb und somit in einem Armengrab beerdigt worden ist. Als Musiker (und damit als Angehöriger des bürgerlichen Mittelstands) wurde er standesgemäß in einem »einfachen allgemeinen Grab« zu 8 Gulden und 56 Kreuzer bestattet. Richtig ist allerdings auch, dass Mozarts Witwe die verbliebenen Verbindlichkeiten nur begleichen und den Lebensunterhalt der Familie für einige Zeit decken konnte, weil ihr von Kaiser Leopold II. eine Pension und der Gewinn aus einem Benefizkonzert, für das der Kaiser selbst einen großzügigen Betrag gab, zugesprochen wurden.

Unter Hinweis auf zeitgenössische Erinnerungen von Salieri, Gall und den Brüdern Aschenbrenner heißt es, dass die Einsegnung und Beisetzung der Leiche Mozarts erst am 7. Dezember 1791 während eines massiven Schlechtwettereinbruches stattgefunden haben soll und Indizien auf eine Bestattung am Friedhof Matzleinsdorf (und nicht Friedhof St. Marx) hindeuten. So soll der Leichenzug nicht durch das Stubentor gegangen sein, sondern durch das Kärntner Tor.

Es heißt zuweilen, niemand hätte den Leichenzug Mozarts zu seinem Grab begleitet. Wahrscheinlich wurde der Leichenzug nicht von Freunden und Verwandten zum Sankt Marxer Friedhof begleitet, allerdings nicht wegen der Wetterverhältnisse. (Angeblich kehrten Constanze Mozart, Kapellmeister Roser, Cellist Orsler und Franz Xaver Süßmayr unterwegs um.) In Wien war es damals unüblich, den Leichnams bis zum tatsächlichen, in Mozarts Fall vier Kilometer entfernten Grab zu begleiten. Mit der Aussegnung im Stephansdom waren die zu jener Zeit vorgesehenen Begräbnisfeierlichkeiten beendet.

Angeblich soll die Leiche Mozarts umgebettet worden sein. Als seine Frau Constanze  17 Jahre nach Mozarts Tod versuchte, das Grab ihres Mannes zu finden, musste sie sich auf höchst unsichere Erinnerungen der Friedhofsangestellten verlassen., da es ja kein Kreuz oder eine Bezeichnung dieses Grabes gab.

Und dann ist da noch die unbestätigte Aussage Mozarts: »Mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiss man hat mir Gift gegeben, ich kann mich von diesem Gedanken nicht loswinden.« Generationen von Mozart-Verehrern erging es genauso, und sie suchten nach Indizien und Verdächtigen. Unter anderem kam es den Ermittlern seltsam vor, dass Baron van Swieten auf ein schnelles Begräbnis drängte, kein Seelsorger zur Stelle war, wo doch Mozart auch als Organist tätig gewesen war, amtliche Stellen den Tod nicht untersuchen wollten und manches mehr. Als Täter bieten sich an: Antonio Salieri (Konkurrent Mozarts), Dr. Closet (Mozarts Arzt, Motiv unklar), Franz Xaver Süßmayr (hatte ein Auge auf Constanze geworfen), Gottfried van Swieten (Fememörder der Freimaurer?), Franz Hofdemel (seine junge Frau war Mozarts Klavierschülerin, Hofdemel entstellte die Ärmste nach Mozarts Ableben mit einem Rasiermesser und nahm sich anschließend das Leben).